Print Logo

merkzettel

SportXtreme

Flatterlook oder Neopren - der Kampf der Kitekulturen

  • Video Die Sendung vom 15. Juli
  • Bilderserie Stylische Flieger vor großen Kulissen
  • Video Des Kitesurfers Rettungsanker
  • VideoDie Sendung vom 15. Juli

    Sturm und Drang an der Waterkant: SportXtreme hat die Kitesurfer besucht und festgestellt: Mit etwas Erfindungsgeist kommen die tollkühnen Männer unter den fliegenden Schirmen auch ohne Wind aus.

    (15.07.2012)
    BilderserieStylische Flieger vor großen Kulissen
    (13.07.2012)
    VideoDes Kitesurfers Rettungsanker

    Je windiger, desto besser: Kitesurfer wirbelt es bis zu 20 Meter hoch, Höchstbelastung für den Körper. "Sick" Rick Jensen zeigt, wie man im Spiel mit den Naturkräften auf der sicheren Seite bleibt.

    (11.07.2012)
    von Fabian Kleiner


    Heißt es Kiteboarden, Kitesurfen oder einfach nur Kiten? Der Sport ist so vielfältig, dass er sich nicht auf einen Begriff reduzieren lässt. So vielfältig, dass manchmal sogar die Betreiber des jungen Sports auf der Suche nach ihrer Identität sind.

    Der Konflikt beginnt schon beim Ankleiden: Stülpt der Kiter die Boardshorts über den Neopren oder lässt man die "Styler-Büx", wie sie spottende Windsurfer bezeichnen, weg?

    Weit, eng oder egal

    Trägt der Kiter Shorts zusammen mit Schlabber-Shirt, rückt er stilistisch näher an die Wakeboarder heran. Schlüpft er hingegen in den Neoprenanzug pur, sympathisiert er ganz offenkundig mit den Wellenreitern oder Windsurfern; oder aber er hat sich schlichtweg keine Gedanken zu seinen Kite-Wurzeln gemacht.


    Links
    Die Windkraft-Werker "Gesünder als jeder Bürojob" Das Blog zur SendungDas ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Zuletzt hat der Einfluss der imageträchtigen Wellenreiter zugenommen, denn die Hose über dem Neopren wird immer öfter weggelassen und weicht Surf-Accessoires. Auch bei der Materialwahl zeigt sich immer stärker die Sympathie zum Wellenreiten. Wer in der Welle als Kiter stilsicher auftreten will, schnappt sich ein Surfboard, lässt sich vom Kite in die Welle ziehen und surft "strapless" ohne Fußschlaufen durch die
    Wogen.

    Rick Jensen bei einem Kiteloop / Quelle: reemedia

    Rick Jensen
    Quelle: reemedia

    Ganz wichtig: Stilsicherheit

    Aber nicht nur bei der Anprobe und bei der Materialwahl muss der Kiter Stilsicherheit beweisen, auch bei den Tricks heißt es Farbe bekennen. Wakeboard-orientierte Kiter wie Rick Jensen achten penibel auf einen tief geflogen Kite und eine flüssige Ausführung der Tricks. Für ihn ist der Kite eine transportable Wakeboardanlage. Beobachtet er einen Trick, bei dem der Kite zu weit nach oben fliegt, rümpft er die Nase.

    Einen ganz anderen Weg geht Toby Bräuer. Er besinnt sich auf die alten Tugenden des Kitesurfens und lässt sich von seinem Schirm auf weiten und hohen Sprüngen durch die Luft segeln. Er krönt seine Airshows mit Flugelementen wie Luftgitarre spielen oder dem Deadman, bei dem er nach hinten abgekippt unter dem Kite hängt.

    Auf Konfrontationskurs

    Dass er dabei nicht nur Zuspruch unter den Freestyle-Hardlinern bekommt ist ihm egal: "Für mich zählt die Show. Wenn ich sehe, wie die Leute am Strand johlen, weiß ich, dass ich alles richtig mache."

    Seine Disziplin nennt sich Airstyle oder Oldschool. Wenngleich der Begriff Oldschool bei einer Sportart, die wenig mehr als ein Jahrzehnt betrieben wird, etwas absurd klingt. Dass er trotz aller Zweifler im Trend liegt, zeigt die Aufnahme der Disziplin in die strenge World Cup Order. Beim Tourstop in Sankt Peter-Ording wird dieses Jahr erstmalig der Weltmeister in der Disziplin Airstyle gekürt.

    Sabrina Lutz zeigt den Raley-Sprung
    Quelle: reemedia

    Dass Kiten eine Sportart mit vielen Facetten ist, kommt nicht von ungefähr:

    Mischmasch

    Der Kite-Sport ist ein Schmelztiegel der Wassersport-Kulturen. Die ersten Kiteboards wurden bei den Windsurfern abgeschaut. Beinahe zwei Meter lang waren die schweren Bretter mit langen Finnen und vorgegebener Fahrtrichtung - im Kite-Jargon daher "Directionals" genannt.

    Naish

    Robby Naish

    Windsurf-Helden, wie Robby Naish oder Pete Cabrinha beeindruckten damals mit gewaltigen Sprüngen. Zahlreiche Kites fliegen bis heute unter ihrem Namen durch die Lüfte.

    Später lugte man den Wakeboardern über die Schulter und klaute ihnen die quirligen Bretter, die in beide Richtungen fahren - die Twintips. Mit ihnen waren die ersten Wakeboard-Manöver möglich, wie der Raley, bei dem der Akteur wagerecht hinter seinem Kite durch die Luft schießt.

    Vorreiter

    Lou Wainman demonstrierte diese Art des Kitens schon vor zehn Jahren. Die heutigen Freestyle-Fahrer zeigen die konsequente Fortsetzung dieses Fahrstils, während Tobi Bräuer mit seinem Airstyle an die Flugeinlagen der Heroen wie Robby Naish anknüpft.

    Einer jedoch bringt alle Zweifler zum Schweigen. Als Youri Zoon während des Sturms mit Windgeschwindigkeiten über 70 km/h beim World Cup in Sankt Peter-Ording seinen Kite bei Sprüngen von weit über zehn Metern Höhe rotieren lässt, nicken alle Kiter - und guckten andächtig drein.

    Youri Zoon im Geschwindigkeitsrausch

    Das ist Kitesurfen

    So begann es - die jüngere Geschichte

    Schon in den frühen 80er Jahren wurden Kites als Fortbewegungsmittel auf dem Wasser genutzt. Allerdings hatten die Versuche noch wenig mit dem heutigen Kiten gemein: So waren damals die Protagonisten mit Wasserskiern und überdimensionalen Lenkdrachen unterwegs.

    Richtig los ging es mit der Erfindung von Vierleiner-Kites um die Jahrtausendwende. Heroen wie Robby Naish beeindruckten damals die Wassersportgemeinde mit spektakulären Sprüngen und produzierten serienreife Kites. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre wuchs das Kitesurfen drastisch an und ist mittlerweile so populär wie Windsurfen.

    Ein Kite - was ist das überhaupt?

    Es gibt zwei verschiedene Kitesysteme:


    Foil- oder Softkites ähneln in ihrer Konstruktion den Gleitschirmen. Die Kammern füllen sich selbstständig mit Luft und geben dem Kite sein Profil.

    Kiter auf dem Wasser verwenden jedoch häufiger Tube-Kites. Deren Luftkammern müssen vor dem Start mit einer Pumpe aufgepumpt werden. Die Luftkammern (auch Tubes oder Struts genannt) wirken wie Verstrebungen, zwischen denen Spinnakertuch gespannt ist. Auch wenn der Kite in das Wasser stürzt, behält er seine Form bei.

    Kite-Schirme messen fünf bis zwanzig Quadtratmeter – so kann für jede Windstärke der passende Kite eingesetzt werden.

    Freestyle, Race und auch zu Lande

    Auf dem Wasser gilt Freestyle als Königsdisziplin: Kiter tricksen unter dem Kite, während der Kite dabei kaum bewegt werden darf. Daneben gibt es Oldschool- oder Airstyle-Wettbewerbe, bei denen, mit Unterstützung des Kites, die Sprünge bis zu zehn Meter hoch in die Luft gehen.

    In der Disziplin Race fahren die Kitesurfer in Geschwindigkeitsfahrten durch festgelegte Kurse um die Wette. Beim Kiten in der Welle nutzen die Kiter nicht nur den Zug des Schirms, sondern auch den Schub der Welle.

    Der Kite-Sport beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Wasser. Auch auf dem Schnee - dann mit Ski oder Snowboard - oder auf dem Land - mit Buggys und Mountainboards - findet man die bunten Schirme.

    Wie fange ich mit dem Kiten an?

    Kiten sollte ernst genommen werden. Try-and-Error-Versuche auf eigene Faust führen meistens ins Krankenhaus. Entlang der Nord- und Ostseeküste bieten sehr viele Schulen Kitekurse an. Auch an den größeren Seen im Binnenland gibt es zahlreiche Kursangebote. Wer es wärmer möchte, findet günstige Pauschalreiseangebote inklusive Kitekurs - zum Beispiel nach Ägypten oder ans Mittelmeer.

    Welche Ausrüstung brauche ich?

    Die Ausstattung eines Kiters beinhaltet etwa zwei bis drei Kite-Schirme mit Bar (Griff) und Leinen, ein Board, einen Neoprenanzug gegen die Kälte und ein Trapez, das den Zug des Kites auf den Körper überträgt. Die Kosten dafür liegen etwa bei 3000 Euro.

    Wie sicher ist Kiten?

    In den vergangenen zehn Jahren hat sich nicht nur die Leistung des Materials stark verbessert, auch die Sicherheit im Kite-Sport ist durch den Einsatz des Quickreleases - einem Notauslösesystem - gestiegen. Außerdem sind die Kites mittlerweile leichter zu beherrschen als früher.

    Rekorde

    Mit über 103 km/h ist der Amerikaner Rob Douglas nicht nur der schnellste Kiter, sondern hält mit dieser Bestmarke auch den Segel-Speed-Rekord aller Klassen.

    Mit 22 Sekunden gelang dem Amerikaner Jesse Richman die längste Flugeinlage über dem Wasser.

    Erfolgreichste Kiter sind der fünffache Freestyle-Weltmeister Aaron Hadlow aus England sowie die 18 Jahre junge Spanierin Gisela Pulido, die schon sieben Mal Freestyle-Weltmeisterin geworden ist.

    15.07.2012
    1. Drucken
    2. Merken
    3. Versenden
    4. Teilen auf:

    Merkliste

    Papierkorb Bild
    Merkliste versenden Merkliste schließen

    Merkliste

    Merkliste versenden

    Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.



     
    * Pflichtfelder  
    Datenschutz
    Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
    Zurück zur Merkliste Absenden Button

    Merkliste

    Hinweis

    Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

    Zurück zur Merkliste Merkliste schließen